Schulranzen Große Last für kleine Rücken

Gesundheit
Kinderorthopäde Heinrich Kronewid gibt die wichtigsten Tipps für den Schulranzenkauf
Titelbild zu Große Last für kleine Rücken
© Für die Auswahl eines Schulranzens rät Kinderorthopäde Heinrich Kronewid zu einem Besuch im Taschenfachhandel. Foto: Daria Trofimova/AdobeStock

Ergobag, Step by Step oder doch lieber Scout? Eltern, die nach einem Ranzen für ihre Kinder suchen, haben die Qual der Wahl. Trotz des großen Angebots fällt die Entscheidung, welcher Rucksack für den Nachwuchs der richtige ist, oft nicht leicht. Heinrich Kronewid, Oberarzt und Leiter der Sektion Kinderorthopädie in der Stiftung Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig, erklärt, worauf es beim Kauf ankommt und was Eltern unbedingt beachten sollten.

Herr Kronewid, welche Folgen haben schlechtsitzende Ranzen?

Wenn Gewicht auf dem Rücken schlecht verteilt ist, werden einzelne Stellen maximal belastet. Eine falsche Last kann also Fehlhaltungen und Rückenprobleme verursachen. Langes Sitzen in der Schule und zu wenig Bewegung in der Freizeit sind weitere Faktoren, die mögliche gesundheitliche Folgen noch zusätzlich negativ beeinflussen. Deswegen haben wir in der Orthopädie auch schon sehr junge Patienten mit Rückenbeschwerden.

Was empfehlen Sie für den Schulranzenkauf?

Eine fachliche Beratung vor Ort im Geschäft ist entscheidend – insbesondere bei der Menge an Modellen, Anpassungsmöglichkeiten und Anbietern, die es inzwischen auf dem Markt gibt. Eltern sollten sich gemeinsam mit ihren Kindern im auf Ranzen spezialisierten Einzelhandel vorstellen und dann den Rucksack auswählen und anpassen. Wichtig ist, dass die Kinder dabei auch selbst versuchen, den Tornister aufzusetzen, ihn anzupassen und wieder herunterzunehmen.

Heinrich Kronewid, Oberarzt und Leiter der Sektion Kinderorthopädie in der Stiftung Herzogin Elisabeth Hospital in Braunschweig. Foto: Hanno Keppel

Worauf sollten Eltern bei der Rucksackauswahl Wert legen?

Ein stabiler Schulranzen mit mehreren Fächern, in denen Kinder ihre Utensilien verstauen können, ist empfehlenswert. In einer Schultasche zum Beispiel verschiebt sich der Inhalt meist auf eine Seite – das kann Gleichgewichtsstörungen oder Fehlhaltungen bewirken. Brust- und Bauchgurte helfen dabei, dass der Ranzen nicht abrutscht. Besonders bei größeren Kindern liegen die Tornister meist nicht direkt am Rücken an – das sollten sie aber, damit das Gewicht bestmöglich verteilt werden kann. Sollten Kinder zu Rückenbeschwerden neigen, ist auch ein Trolley eine gute Option. Wichtig ist, dass die Schüler und Schülerinnen diese Taschen nicht nur einseitig ziehen, sondern die Seiten auch abwechseln. Eine gute Alternative sind übrigens spezielle Fahrgestelle, auf die die Kinder ihre normalen Schulranzen schnallen können. Sie ähneln Sackkarren, sind aber kindgerecht angefertigt.

Wie schwer darf der Tornister von gesunden Kindern sein?

In der Fachliteratur gibt es dazu unterschiedliche Angaben. Lange Zeit war beispielsweise die Zehn-Prozent-Regel Standard. Sie besagt, dass die befüllten Schultaschen zehn, höchstens 15 Prozent des Kindesgewichtes haben sollten. Logisch ist es, wenn der Schulranzen selbst nicht so schwer ist. Neue Modelle wiegen im Schnitt 1,3 bis 1,5 Kilo und haben 15 Liter Fassungsvermögen.

Gibt es etwas, das Eltern beim Packen der Ranzen beachten sollten?

Es ist ratsam, dass Kinder nur die Bücher mit in die Schule nehmen, die an dem jeweiligen Tag auch eine Rolle spielen. Wenn die Möglichkeit besteht, können Exemplare, die gerade nicht gebraucht werden, auch in Schließfächern in der Schule gelassen werden. Für Kinder mit Erkrankungen und Rückenproblemen könnten Eltern Lektüren doppelt anschaffen – ein Satz für die Schule, einer für zu Hause.

Wann sollten Eltern ihren Kindern einen neuen Rucksack kaufen?

Eine feste Regel gibt es da nicht. Viele Ranzen können mittlerweile mitwachsen. Ausschlaggebend für eine Neuanschaffung ist daher oft der Wunsch des Kindes. Wenn Mädchen und Jungen größer werden, dann sind Schulranzen nicht mehr beliebt und ein Rucksack soll her. Meistens ist dies beim Umstieg von der Grund- auf die weiterführende Schule der Fall. Aber auch für diese Altersklassen gibt es Taschen mit ökonomischer Form. Einen Neukauf müssen Eltern wieder mit ihren Kindern besprechen: Es gilt einen guten Kompromiss zwischen „rückenschonend“ und „optisch cool“ zu finden.

Autor
Eve Bernhardt

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